Fazit



Offshore-Windenergie trifft auf Akzeptanz – bei Küstenanwohnern wie Touristen. Die Akzeptanz ist allerdings dann höher, wenn die Anlagen küstenfern errichtet werden und die Sicherheit der Seeschifffahrt an erster Stelle steht. Selbstverständlich wird ein Schutz der Meeresumwelt erwartet. Gleichzeitig wird eine Diskussion um die weitere Ausgestaltung der Energiewende gefordert, zu der neben der Energiesicherheit ebenso Fragen dezentraler Energiegewinnung wie der Energieeffizienz gehören. Die Erfahrungen aus den hier untersuchten Offshore-Windenergieprojekten sowie die Meinungen und Anregungen der Anwohner bieten wertvolle Hinweise für eine Strategie zur langfristigen Sicherung der Akzeptanz von Offshore-Windenergie.

Zu Beginn einer Projektplanung sollten sämtliche betroffenen Gruppen vor Ort einbezogen werden, auch in die Standortdiskussion. Im Hinblick auf die Akzeptanz kann sich z.B. die Frage als durchaus relevant erweisen, ob ein Windpark um einige Kilometer versetzt gebaut wird – etwa, wenn es um die visuelle Beeinträchtigung von besonderen Aussichtsorten geht. Unabdingbar ist es, die Grenzen und Möglichkeiten einer öffentlichen Beteiligung klar offenzulegen. Eine intransparente Informationspolitik, stückchenweise Information, das Verschweigen unpopulärer Maßnahmen oder negativer Konsequenzen, aber auch unklare Aussagen über die Chancen von Beteiligungsmöglichkeiten schaffen Misstrauen und führen schlimmstenfalls zu einem Vertrauensverlust. Je geringer zudem die Betroffenen ihre Mitwirkungsmöglichkeiten einschätzen, desto stärker werden wahrscheinlich negative Gefühle wie Misstrauen und Ärger und der Widerstand gegen ein Projekt. Umgekehrt eröffnet sich über die Beteiligung der lokalen Öffentlichkeit ein immenser Erfahrungsschatz, der auch in der Projektentwicklung genutzt werden kann. Denn Küstenanwohner sind regionale Experten, die nicht selten das über mehrere Generationen angehäufte Wissen über lokale Besonderheiten produktiv einbringen können.

Die in dieser Untersuchung gewonnenen Erkenntnisse zeigen, wie sich die Akzeptanz von Offshore-Windparks verbessern lässt:



Vertrauen schaffen, gemeinsam gestalten

Die betroffene Bevölkerung sollte frühzeitig umfassend über die Projektplanungsabsichten, die Gesamtstrategie und den Gesamtumfang des Offshore-Projektes informiert werden.
Es kann nicht vorausgesetzt werden, dass die Betroffenen die Planungs- und Genehmigungsverfahren und die dafür zuständigen Behörden kennen. Daher müssen sie über den formellen Planungs- und Genehmigungsprozess (Ablauf, Regeln der Öffentlichkeitsbeteiligung) informiert werden – sowohl von den zuständigen Behörden als auch von den Betreibern.

Noch vor der Eröffnung des Planfeststellungsverfahrens sollten informelle Beteiligungsverfahren mit professioneller Moderationsunterstützung stattfinden.

Die betroffenen Bürger müssen eindeutig über die Möglichkeiten und Grenzen der Bürgerbeteiligung aufgeklärt werden.

Die Information über das Projekt sollte nicht allein der Presse überlassen bleiben. Stattdessen sind Vorhabenträger, Betreiber und die beteiligten Behörden gut beraten, eine Kommunikationsstrategie über den gesamten Prozess von der Planung über die Genehmigung bis hin zur Inbetriebnahme und den anschließenden Regelbetrieb zu entwickeln. Dafür bietet sich auch die Einrichtung einer eigenen, fortlaufend aktualisierten Internetpräsenz an.

Vorbelastungen und Parallelplanungen in der Region sowie bereits vorhandene Erfahrungen sind in den Planungsprozess einzubeziehen.

Die Betroffenen müssen über die Vor- und Nachteile von Projekten aufgeklärt werden. Dafür sollten auch von den Anwohnern gewünschte Experten hinzugezogen werden.

Die Sichtbarkeit und Ansprechbarkeit der entscheidenden Behörde sowie der Projektträger sollte über den gesamten Projektzeitraum gewährleistet sein.

Alle Beteiligten sollten ihre jeweiligen Rollen, Motive und Interessen ehrlich offenlegen.



Auf die Neugier von Touristen setzen

In den betroffenen Regionen kann die Einrichtung eines Offshore-Windpark-Informationszentrums eine Bereicherung des touristischen Angebots vor Ort darstellen.

Der Offshore-Windpark kann als Standortfaktor in das Tourismuskonzept der Region integriert werden.



Weiteres Vorgehen unserer Studie

In Zukunft werden weitere küstenferne Offshore-Windparks gebaut werden. Vor der Küste Borkums befindet sich bereits der küstennahe Offshore-Windpark Riffgat im Bau. Um die Erfahrungen der Touristen und Anwohner begleiten zu können, führen wir auch diesen Sommer und Herbst Befragungen durch, über deren Ergebnisse wir berichten werden.