Offshore-Windenergie aus Anwohnersicht



Um das Ziel der Energiewende zu erreichen, werden die Erneuerbaren Energien stark ausgebaut: bis zum Jahr 2020 soll ihr Anteil an der Stromversorgung auf mindestens 35 Prozent steigen. Auch auf See soll verstärkt Windenergie genutzt werden. Geplant ist eine Offshore-Leistung von 7.000 – 10.000 MW. Dies verändert die Nutzung der See, was insbesondere unter Küstenanwohnern zu teilweise heftigen, kontroversen Diskussionen führt. Um aus den Erfahrungen mit den ersten Offshore-Windparks zu lernen und Handlungsempfehlungen für Entscheidungsträger aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft abzuleiten, fördert das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) seit 2009 das interdisziplinäre Projekt „Akzeptanz der Offshore-Windenergienutzung“. In zwei Befragungswellen, die im Sommer 2009 und 2011 stattfanden, wurden bislang mehr als 300 Küstenanwohner und über 700 Touristen interviewt. Eine dritte Befragung erfolgt im September/Oktober 2012. Auf dieser Website werden die Herangehensweise und zentrale Ergebnisse der beiden bereits abgeschlossenen Befragungen vorgestellt. Der Abschlussbericht zum Projekt wird ab Sommer 2013 frei verfügbar sein.

In vier Küstenregionen wurden Anwohner und Touristen gefragt, ob der Bau der Offshore-Windparks zu von ihnen erwarteten oder befürchteten Auswirkungen geführt hat. Ausgewählt wurden mit den Inseln Borkum und Norderney sowie der Halbinsel Darß jeweils eine Nord- und eine Ostseeregion, in denen im Befragungszeitraum ein Offshore-Windpark fertiggestellt wurde.
Vor Borkum und Norderney entstand in der Nordsee in 45 Kilometer Entfernung das Testfeld Alpha Ventus mit insgesamt 12 Anlagen. Zudem wird aktuell 15 Kilometer vor der Küste Borkums der küstennahe Offshore-Windpark Riffgat errichtet. Eine umgekehrte Situation findet sich vor der Ostsee-Halbinsel Darß. Dort ist in 16 Kilometer Entfernung von der Küste mit Baltic 1 bereits ein küstennaher Offshore-Windpark mit 21 Anlagen in Betrieb gegangen, während sich der Offshore-Windpark Baltic 2, küstenfern 32 Kilometer nördlich vor Rügen, derzeit im Bau befindet.
Um feststellen zu können, inwieweit die Einstellungen zur Offshore-Windenergie auf die tatsächliche Existenz eines Offshore-Windparks zurückzuführen sind, wurden auch Befragungen in zwei Vergleichsregionen durchgeführt, in denen weder ein Offshore-Windpark geplant ist noch gebaut wird: auf der Nordseeinsel Föhr und auf Usedom an der Ostsee.

Anwohner und Touristen wurden mittels standardisierter Fragebögen befragt; ausgewählte Experten in Telefoninterviews. Die ersten Ergebnisse dieser Befragungen wurden im März 2012 auf drei Workshops mit Anwohnern der Inseln Borkum und Norderney sowie des Darß diskutiert. Eingeladen waren sämtliche Befragungsteilnehmer, die sich an beiden Erhebungswellen beteiligt hatten.

2011 wurden dieselben Anwohner und Experten befragt wie 2009, bei den Touristen waren es jeweils verschiedene Personen.



Anmerkung zu der Ergebnisdarstellung

Berichtet werden statistisch signifikante Unterschiede zwischen Regionen und Erhebungszeitpunkten. Zusätzlich wurde auf expliziten Wunsch der Workshop-Teilnehmer in sämtlichen Analysen geprüft, ob bedeutsame Unterschiede zwischen den Einschätzungen auf Borkum und Norderney bestanden. Da dies jedoch nur in wenigen Einzelfällen zutraf, werden mit deren Ausnahme die Ergebnisse für Borkum und Norderney zusammengefasst.


Befragungsregionen und Teilnehmeranzahl

Bei den Anwohnern waren Männer mit 61 Prozent häufiger vertreten als Frauen (39 Prozent). Das mittlere Alter betrug 56 Jahre. Im Mittel wohnten die Anwohner 22 Jahre vor Ort. Die Touristen waren im Durchschnitt 51 Jahre alt; das Geschlechterverhältnis war relativ ausgeglichen.



Windpark Baltic 1



Windpark Alpha Ventus