„Die Sicherheit der Seeschifffahrt ist das Wichtigste.“

Heinz Hermann Stolle, Norderney



Befürchtungen zur Sicherheit der Seeschifffahrt



Ein zentrales Thema auf den Anwohner-Workshops war die befürchtete Beeinträchtigung der Seeschifffahrtssicherheit durch erhöhte Kollisionsgefahren. Trotz der gesetzlichen Genehmigungsregelungen bemängelten die Anwohner mehrfach einen zu geringen Abstand der Offshore-Windparks zu den stark befahrenen Schifffahrtsstraßen. Verschmutzte Strände in Folge von Schiffskollisionen würden den Tourismusregionen die Existenzgrundlage entziehen. Diese Befürchtung spiegelte sich auch in den Befragungsergebnissen wider. Küstennahe Offshore-Windparks wurden auch in diesem Punkt kritischer als küstenferne beurteilt. Die Anwohner der Offshore-Windparks zeigten sich zudem deutlich besorgter als die der Vergleichsregionen. Besonders ausgeprägt waren die Befürchtungen auf dem Darß im Jahr 2009; 2011 zeigte sich hingegen leichte Entspannung. Sie ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass es bisher keine Gefahrensituation in Zusammenhang mit Baltic 1 gab. Auf Borkum und Norderney waren die anfänglichen Befürchtungen weniger stark ausgeprägt, blieben aber von 2009 zu 2011 stabil.

Auf den Workshops wurden neben einer Lotsenpflicht auch Schiffsverkehrsüberwachung sowie – für den Fall einer Havarie – genügend Schlepper vor Ort gefordert. Kritisiert wurde vor allem, dass bei den Gutachten zur Havariewahrscheinlichkeit menschliches Versagen – die häufigste Ursache für Schiffsunfälle – nicht berücksichtigt wurde.

Gesetzliche Anforderungen

Eine Genehmigung zur Errichtung eines Offshore-Windparks wird nur dann erteilt, wenn u. a. die Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs nicht beeinträchtigt wird. Der Betreiber muss im Zuge einer Risikoanalyse nachweisen, dass die Wahrscheinlichkeit für eine Kollision eines Schiffes mit der Anlage innerhalb der mit dem Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung abgestimmten Werte liegt. Nicht ausreichende Werte kann der Betreiber durch kollisionsmindernde Maßnahmen (z.B. Seeraumbeobachtung, Assistenzschlepper) im Rahmen des Genehmigungsverfahrens ausgleichen. Falls trotz aller Sicherheitsvorkehrungen tatsächlich die Kollision eines Schiffes mit einer Offshore-Windenergieanlage eintreten oder drohen sollte, treten die Maßnahmen der Maritimen Notfallvorsorge in Kraft. Bei kleineren Schadensereignissen wird das zuständige Wasser- und Schifffahrtsamt zur Gefahrenabwehr tätig, bei komplexen Schadenslagen steht das Havariekommando als gemeinsame Einrichtung des Bundes und der Küstenländer bereit. Es sorgt dafür, dass alle notwendigen Rettungsmaßnahmen vorbereitet, eingeleitet und koordiniert werde9n. Dazu zählt auch, dass havarierte Schiffe, wenn erforderlich, durch Schlepper gesichert werden.


Befürchtete Auswirkung auf die Sicherheit der Schifffahrt